Wir verwenden Cookies für Reichweiten- und Conversion-Analyse sowie Werbung. Mehr erfahren

    Szenario-Analyse

    Stufenweiser Öl- und Gas-Schock: Wie ein abnehmender Angebotsausfall Inflation und Kaufkraftverlust beeinflusst — Ein kombiniertes Modell

    April 2026 — Ende 2025 lag der Brent-Preis noch bei 56 USD/Barrel. Angenommen, das globale Öl- und Gasangebot geht schrittweise zurück: im ersten Jahr um 7 %, im zweiten Jahr nur noch um 4 % und im dritten Jahr lediglich um 1 %. Das Schmerzgrenz-Modell (Kaufkraft-Gleichgewicht) zeigt, dass der Preis bei einem dauerhaften 5 %-Ausfall auf ca. 210 USD steigen könnte. Wie wirkt sich dieser abnehmende Schock nun auf die Inflation in der Eurozone aus? Und wie hoch ist der reale Kaufkraftverlust des Ersparten über drei Jahre?

    Dieser Beitrag kombiniert beide Denkansätze: das Kaufkraft-Gleichgewichts-Modell (Schmerzgrenze) für den Ölpreis und das EZB-Pass-Through-Modell (direkter + indirekter Kanal) für die Inflationswirkung. Das Ergebnis ist ein realistisches, dynamisches 3-Jahres-Szenario.

    Lesedauer: ca. 7 Minuten.

    Mögliche reale Auslöser für ein abnehmendes Ausfall-Szenario

    Ein schrittweiser Rückgang des Angebotsausfalls (7 % → 4 % → 1 %) wäre kein Zufall, sondern die Folge konkreter geopolitischer Dynamiken. Zwei plausible Situationen machen ein solches Muster realistisch:

    1. Gegenseitige Eskalation zwischen Iran und den Golfstaaten (Saudi-Arabien/VAE)

    Iran und Saudi-Arabien/VAE greifen sich wechselseitig mit Drohnen, Raketen und Sabotageaktionen auf kritische Öl- und Gas-Infrastruktur an — Raffinerien, Pipelines, Exportterminals und Verarbeitungsanlagen werden stark beschädigt. Der initiale Schaden führt zu einem hohen Produktions- und Exportausfall von 7 %. Die Wiederherstellung der stark zerstörten Anlagen zieht sich jedoch über drei Jahre hin (Reparatur komplexer Anlagen, Lieferkettenprobleme, Sicherheitsmaßnahmen). Nach einigen Monaten setzen erste Not-Reparaturen und diplomatische Vermittlung (z. B. durch China oder die USA) ein, sodass der Ausfall schrittweise auf 4 % und später auf 1 % sinkt. Solche tit-for-tat-Angriffe auf Energieinfrastruktur wurden in früheren Konflikten bereits beobachtet und passen exakt zum abnehmenden Muster.

    2. Chaotisches neues Gleichgewicht („unstable new normal")

    Ein langwieriger, nicht entschiedener Konflikt führt zu einem messigen, instabilen Gleichgewicht: Iran bleibt beschädigt, aber radikaler und unberechenbarer; die USA sind tiefer in der Region verstrickt; die Golfstaaten schotten sich ab. Es kommt weder zu einem vollständigen Deal noch zu einem totalen Krieg, sondern zu einem „messy equilibrium" mit persistent höheren Ölpreisen.

    „My years of gaming a US-Iran conflict pointed to a most likely outcome of an unstable new normal: Iran damaged but more extreme, US more deeply stuck in the region, persistently higher oil prices. A deal or renewed war still very possible, but this messy equilibrium may be here for a while."

    In diesem Szenario bleibt der Ausfall zunächst hoch (7 %), sinkt aber durch teilweise Anpassungen (alternative Routen, Not-Produktion, begrenzte Waffenruhen) schrittweise ab.

    Persönliche Wahrscheinlichkeitseinschätzung (Stand April 2026)

    • Szenario 1 (gegenseitige Infrastruktur-Angriffe mit 3-Jahres-Wiederherstellung): 20–30 % — möglich, aber sehr zerstörerisch und würde wahrscheinlich schnelle internationale Intervention auslösen.
    • Szenario 2 (chaotisches neues Gleichgewicht / messy equilibrium): 45–55 % — deutlich wahrscheinlicher, da es der aktuellen Lage mit anhaltenden Spannungen, begrenzten Angriffen und keiner klaren Siegerseite am nächsten kommt.

    Beide Situationen würden exakt den von uns modellierten schrittweisen Rückgang des Ausfalls auslösen.

    1. Der Grundgedanke: Zwei Modelle, ein variabler Schock

    • Kaufkraft-Gleichgewichts-Modell: Der Preis passt sich jedes Jahr neu an den aktuellen Ausfall an. Bei geringerem Ausfall sinkt der Preis, weil weniger Nachfragezerstörung nötig ist.
    • Inflationsmodell: Öl- und Gaspreise wirken direkt (ca. 9 % Warenkorbanteil) und vor allem indirekt (75 % des Effekts über Produktionskosten, Transport, Chemie). Die Inflation baut sich verzögert auf und wird durch den abnehmenden Schock im Zeitverlauf gedämpft.

    2. Das kombinierte Szenario über drei Jahre

    Annahmen

    • Start Ende 2025: Brent = 56 USD/Barrel, aktuelle Öl-Rechnung ca. 1,7 % des Welt-BIP.
    • Schmerzgrenze: 6 %.
    • Der Preis passt sich jedes Jahr neu an den aktuellen Ausfall an.
    • Inflationswirkung: Skaliert mit dem jährlichen Preisanstieg, gedämpft durch den abnehmenden Schock.

    Ergebnis: Ölpreis, zusätzliche Inflation und kumulierter Kaufkraftverlust

    Jahr Angebotsausfall (Öl & Gas) Gleichgewichts­preis (USD/Barrel) Preisanstieg z. Vorjahr Zusätzliche Inflation (pp) Kumulierte zus. Inflation
    1 −7 % ca. 215 USD +284 % +6,0–8,5 pp +6,0–8,5 %
    2 −4 % ca. 185 USD −14 % +1,5–3,0 pp +8,0–11,5 %
    3 −1 % ca. 170 USD −8 % +0,5–1,5 pp +9,0–13,0 %

    Erläuterung der Dynamik

    • Jahr 1: Der starke 7 %-Ausfall treibt den Preis auf ca. 215 USD. Der massive Cost-Push erzeugt eine hohe zusätzliche Inflation von 6,0–8,5 Prozentpunkten — klassische Stagflation.
    • Jahr 2: Der Ausfall sinkt auf 4 %. Der Preis korrigiert auf ca. 185 USD. Der Inflationsimpuls schwächt sich deutlich ab.
    • Jahr 3: Bei nur noch 1 % Ausfall sinkt der Preis weiter auf ca. 170 USD. Die zusätzliche Inflation fällt auf +0,5–1,5 pp.

    Gesamteffekt über 3 Jahre

    Die kumulierte zusätzliche Inflation liegt bei 9,0–13,0 %. Das Preisniveau ist dauerhaft um diesen Betrag höher. Ein 10.000-Euro-Sparkonto verliert real 900–1.300 Euro an Kaufkraft (zusätzlich zur normalen Inflation).

    3. Warum die abnehmende Ausfallrate entscheidend ist

    Der Schmerzgrenz-Mechanismus sorgt dafür, dass der Preis nicht starr bleibt, sondern sich dynamisch anpasst. Dadurch klingt der Inflationsimpuls deutlich ab. Ein konstanter 5 %-Ausfall hätte eine kumulierte Inflation von ca. 10–15 % erzeugt — hier ist sie durch die Rückkehr zum fast normalen Angebot spürbar geringer.

    Quellen und empirische Grundlage

    • Kaufkraft-Gleichgewichts-Modell auf Basis Hamilton (1983–2011) und Öl-Intensität-Studien (Columbia/Harvard).
    • EZB-Pass-Through-Analysen zu Öl-/Gas-Schocks.
    • Aktuelle Marktdaten: IEA, EIA, IMF (April 2026).

    Verwandte Analysen auf öl-aktien-kaufen.de:

    Fazit

    Bei einem schrittweise abnehmenden Angebotsausfall (7 % → 4 % → 1 %) steigt der Ölpreis zunächst stark auf ca. 215 USD, korrigiert dann aber nach unten. Die kumulierte zusätzliche Inflation über drei Jahre beträgt 9,0–13,0 % — deutlich spürbar, aber durch die Deeskalation oder das neue Gleichgewicht gedämpft.

    Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellt keine Anlageberatung dar.

    Diskussion

    Kein Login nötig. Ein KI-Moderator ordnet Beiträge ein und entfernt Werbung.

    0/2000

    Weitere Analysen aus dieser Kategorie