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    Marktanalyse

    Goldman Sachs erhöht Ölpreisprognosen erneut, während sich der Schock um den Hormuz-Kanal zuspitzt

    Sehr geehrter Leser, im Rahmen meiner Marktbeobachtung habe ich die jüngsten Prognose-Anhebungen von Goldman Sachs und Citi sowie das aktuelle Interview mit Daan Struyven (Leiter Öl-Research bei Goldman Sachs) analysiert. Die Botschaft ist eindeutig: Der Markt unterschätzt die Geschwindigkeit, mit der die globalen Öllager derzeit geleert werden. Für einen wertorientierten Strategen bietet die Diskrepanz zwischen „Papier-Entspannung" und physischer Realität klare Anhaltspunkte.

    Quelle: Goldman Sachs / YouTube, April 2026

    Wesentliche Aussagen mit Zeitstempeln

    Goldman Sachs und Citi heben Brent-Prognosen erneut an

    Die Banken Goldman Sachs und Citi erhöhen ihre Preisprognosen für den Erdölpreis (Brent) für das Jahr 2026 deutlich. Goldman Sachs sieht Brent im vierten Quartal nun bei durchschnittlich 90 USD/Barrel. Citi hebt seine Basisszenario-Prognose auf 110/95/80 USD/Barrel für Q2/Q3/Q4 2026 an (zuvor 95/80/75 USD/Barrel).

    Tweet von Lisa Abramowicz: Goldman und Citi heben ihre Ölpreis-Prognosen an
    Quelle: @lisaabramowicz1 auf X

    Zur erhöhten Prognose von Goldman Sachs liefert ein aktuelles Interview mit Daan Struyven, dem Leiter der Öl-Research-Abteilung bei Goldman Sachs, die fundamentale Begründung. Struyven legt dar, dass der Markt die Geschwindigkeit des Lagerabbaus unterschätzt. Die „Papier-Entspannung" durch Verhandlungsmeldungen steht im krassen Gegensatz zur physischen Realität am Weltmarkt.

    1. Die mathematische Unausweichlichkeit: 14,5 Mio. Barrel Verlust

    Laut Struyven sind im April rund 14,5 Millionen Barrel pro Tag (ca. 50 % der Golf-Produktion) ausgefallen. Dies führt zu einem weltweiten Bestandsrückgang von 11 bis 12 Millionen Barrel pro Tag — ein historischer Rekordwert. Da solche Lagerabnahmen physisch nicht nachhaltig sind, ist ein massiver Preisanstieg zur „Nachfragezerstörung" (Demand Destruction) die logische Folge (07:43).

    2. Preisprognosen: Brent zwischen 90 USD und 120 USD

    Struyven unterscheidet zwischen zwei Hauptszenarien für das vierte Quartal 2026:

    • Base Case (90 USD): Geht von einer Teilöffnung der Straße von Hormus bis Ende Juni aus. Dieser Preis ist bereits ca. 30 USD höher als vor dem Konflikt und berücksichtigt massive Nachfrageverluste.
    • Upside Shock (120 USD): Tritt ein, wenn die Blockade länger anhält oder die Produktion am Golf langsamer zurückkehrt. In diesem Szenario sieht Goldman Sachs Brent-Preise von 115–120 USD als „glaubwürdiges Risiko" an (11:30).

    3. Die „Day After"-Logik: Warum Frieden nicht sofort hilft

    Selbst bei einem vollständigen Ende der Kampfhandlungen wird die Erholung Monate dauern.

    • Reservoir-Schäden: Struyven warnt vor permanenten Kapazitätsverlusten durch abrupt abgeschaltete Ölfelder.
    • Logistischer Rückstau: 147 Tanker sitzen derzeit fest. Der 60-Tage-Zyklus (Hinfahrt, Entladen, Rückfahrt) bedeutet, dass die physische Versorgungslücke bis weit in den Sommer bestehen bleibt (03:41).

    Zentrale Datenpunkte und strategische Entwicklungen

    • Kumulierter Verlust: Bis Jahresende ca. 2 Milliarden Barrel verlorene Produktion (10:22).
    • Durchfluss Hormus: Aktuell nur ca. 5 % des Normalwerts (02:40).
    • Neue Preisuntergrenze: Der fundamentale Boden für WTI/Brent liegt nun bei 70–80 USD (statt 60 USD) (11:30).
    • Risikoprämie: Permanente politische Prämie von 10–20 USD wird aufgrund der Drohnengefahr bleiben (12:07).

    Strategisches Fazit

    Sehr geehrter Leser, Daan Struyven liefert eine rein datenbasierte Analyse: Die Welt verbrennt ihre Ölreserven derzeit so schnell wie nie zuvor. Die logische Konsequenz ist ein Anstieg der Preise auf 90 bis 120 USD, da politische Abkommen die physisch leeren Tanks nicht über Nacht füllen können.

    Mit vorzüglicher Hochachtung

    Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen und stellt keine Anlageberatung dar.

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