Jeff Curries Weckruf: „So etwas habe ich noch nie gesehen"
Im aktuellen Interview mit Mario Nawfal (gestreamt am 8. Mai 2026) liefert Jeff Currie — ehemaliger Global Head of Commodities Research bei Goldman Sachs und heute Senior Advisor bei der Carlyle Group — eine messerscharfe Analyse der aktuellen Ölkrise. Currie spricht nicht von abstrakten Preisen, sondern von realen Barreln, die fehlen. Die Straße von Hormus ist weitgehend blockiert, die physische Versorgung bricht ein — und die Welt „borgt aus der Zukunft".
1. Die Märkte sind gefährlich komplazent
Trotz dramatischer geopolitischer Lage reagieren die Papierpreise nicht angemessen. Currie fragt sich laut: Warum kümmert sich der Markt nicht um die physische Realität? Die meisten Analysten schauen auf Notional-Werte statt auf echte Lagerbestände und unterschätzen damit die volumetrische Knappheit massiv [00:00], [04:00].
2. US-Tank Bottoms im Juli — Europa noch früher
Die USA ziehen bereits Notreserven ab — allein 11 Mio. Barrel in kurzer Zeit. Currie prognostiziert: Irgendwann um den 4. Juli (oder früher) könnten die amerikanischen Tanks die Bottoms erreichen. In Europa könnte es schon im Mai kritisch werden [02:17], [02:23], [18:00]. „I've never seen anything like it before", sagt er wörtlich.
3. Selbst bei Frieden dauert die Normalisierung Monate bis Jahre
Selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder offen wäre, müssten Versicherungen neu verhandelt, Crews zurückgeholt und Minenräumung sowie Feld-Neustarts durchgeführt werden. Historische Beispiele (Iran 1979, Libyen 2011, COVID-Shutdowns) zeigen: Ein vollständiger Neustart kann drei Monate bis zwei Jahre brauchen [08:00].
4. China positioniert sich strategisch
Peking baut massiv strategische Reserven auf und setzt Gegenmaßnahmen gegen US-Sanktionen (Orders 834/835). Gleichzeitig treibt die De-Dollarisierung voran — Russland verkauft US-Treasuries, neue Allianzen entstehen [14:25].
5. Die „Great Rotation" in die Old Economy
Currie sieht eine große Umschichtung von Tech in harte Assets, Commodities und Energie. Höhere Zinsen und Inflation könnten die Folge sein.
Konkret erwähnte Unternehmen im Interview
Currie nennt im Verlauf des Gesprächs ein börsennotiertes Schwergewicht namentlich. Die folgende Tabelle führt direkt per Sprungmarke zur jeweiligen Stelle im Video:
| Unternehmen | Zeit | Kontext | Sprung |
|---|---|---|---|
| ExxonMobil (XOM) | 45:36–45:38 | Trotz Supply-Shock und Krise notiert die Aktie niedriger als vor dem Krieg — für Currie ein weiterer Beleg für die Komplazenz des Marktes. | → 45:36 |
Hinweis: Eine fundierte Einordnung von ExxonMobil im aktuellen Marktumfeld finden Sie in unserer Analyse „ExxonMobil & der Nahost-Konflikt".
Strategisches Fazit
Sehr geehrter Leser, Jeff Currie malt kein Weltuntergangsszenario — er liefert harte, volumetrische Fakten. Die physische Knappheit ist bereits da. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell sie sichtbar wird. Wenn die Tanks im Juli tatsächlich leer laufen, droht ein echter Supply-Shock mit entsprechenden Preissprüngen und wirtschaftlichen Folgen. Wer jetzt noch die Situation unterschätzt, riskiert, die größte Rotation in die Realwirtschaft seit Jahren zu verpassen.
Mit vorzüglicher Hochachtung